Matthias Lepschi


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Bergsommer 2018

Rotwandl- und Brunnsteinspitze


Nur eine Woche nach der letzten Skitour des Winters 2017/18 auf den Wilden Pfaff wurden die normalen Bergschuhe aus dem Winterschlaf geholt - es ging auf Brunnstein- und Rotwandlspitze bei Scharnitz. Das letzte Stück zu den Gipfeln hatte jedoch der Winter noch voll im Griff; wir mußten einige Höhenmeter durch den Firn stapfen.

Belohnt wurden wir durch ein schönes Karwendel-Panorama mit weißen Gipfeln über grünen Tälern.

Zurück an den Parkplätzen in Scharnitz konnten wir noch einige Skitouren-Bergfexe beobachten, die mit dem Mountainbike und den Tourenskiern am Rucksack aus den Karwendeltälern gerollt kamen.



Auch am folgenden Tag bekamen wir zu spüren, daß der Winter das Feld nicht kampflos räumen wollte: Mit dem Seebensee als Ziel waren wir in Leutasch mit den Fahrrädern in das Gaistal hinein gestartet. Etwa auf der Hälfte der Strecke lagen jedoch noch massive Lawinen aus den Südhängen über dem Weg, die wir mühsam hätten queren müssen. Kurzerhand änderten wir den Plan auf gemütliches Brotzeiten und Ausruhen, bevor es dann wieder zurück nach Leutasch ging.

Hohe Kisten

Mitte Mai gab es die nächste Gelegenheit für das Mountainbike - der Klassiker auf die Hohe Kisten stand an. Immer wieder ist diese Tour von Eschenlohe aus ein guter Indikator für die Kondition; die insgesamt etwa 1200 Hm mit Rad und zu Fuß wollen jedes mal mit Schweiß und Keuchen bezwungen werden.

Litnisschrofen und Krinnenspitze


Im Bike-and-Hike-Stil ging es auch eine Woche später im Tannheimer Tal weiter: Zunächst stand die anstrengenden Auffahrt zur Ödenalpe an...

...danach führte der Weg zu Fuß weiter zum Litnis-Schrofen, der nach Süden hin ein schönes Panorama der Lechtaler Berge bot - in der Bildmitte die unverwechselbare Pyramide des Hochvogels.

Nachdem wir die Aussicht am Litnisschrofen ausgiebig genossen hatten, beschlossen wir, auch noch die Krinnenspitze mitzunehmen - im Bild der bewaldete Gipfel an der rechten Bildseite. Nach dem Abstieg von dieser stand einer gemütlichen Abfahrt in Tal dann nur noch eine Sache im Wege: Ein platter Reifen am Rad meiner besseren Hälfte. Der war gottseidank recht schnell geflickt - und ich hatte endlich eine Bestätigung dafür, dass es gut ist, immer einen Ersatzschlauch dabei zu haben...



Tags darauf bei der Mountainbiketour durch das Lohmoos traten solche Probleme glücklicherweise nicht auf, und wir rollten ungestört durch ein wunderbares frühlingshaftes Blumenmeer.

Um Hörnle und Aufacker nach Ammergau


Die nächste Mountainbike-Tour stand an Fronleichnam an - es sollte wieder einmal die Drei-Marken-Runde von Eschenlohe aus werden, die über Aufacker und Hörnle nach Ammergau und zurück läuft. Leider war durch einen riesigen Murenabgang bei Grafenaschau die Tour so nicht zu machen. Stattdessen mußten wir uns auf den Wegen im Tal nach Bad Saulgrub und von dort aus weiter nach Ammergau halten. Immerhin war die Abfahrt nach Oberau und das letzte Stück zurück über den Berg nach Eschenlohe noch ein schöner Ausklang. Und darüber hinaus waren die Wege im Tal gesäumt von wunderschönen Blumen...

Mit dem Rad ums Estergebirge


Da das Wetter für größere Unternehmungen leider nicht stabil genug war, ging es auch bei der nächsten Tour mit den Rädern weiter. Wieder einmal war Eschenlohe der Ausgangspunkt; diesmal ging es aber nicht nach Westen los, sondern nach Osten Richtung Walchensee - dies war der Start zur Umrundung des Estergebirges.

Noch vor dem See hält die Route dann Richtung Süden nach Wallgau-Krün, um dann wieder nach Westen über den Berg zu führen. Der Weg führte uns am Gschwandtnerbauern vorbei, wo wir bei phänomenalem Zugspitzblick die Mittagspause einlegten. Danach rollten wir nach Garmisch und von dort weiter über die Sieben Quellen nach Eschenlohe zurück. Eine schöne Runde von etwa 56 km bei 1400 Hm lag hinter uns.

Die Erzherzog-Johann-Reibn von Kreuth aus


Ähnlich großartige Ausblicke hatten wir eine Woche später, als wir von Kreuth aus mit den Mountainbikes die Erzherzog-Johann-Reibn unternahmen. Früh um sieben Uhr rollten wir in eine phantastische Morgenstimmung hinein, und schon bald fühlten wir uns von der Wildheit der Umgebung an Kanada erinnert.

Erst später am Tag wurden wir durch Heerscharen an anderen Radlern und E-Bikern wieder in die Realität (sprich in einen Naherholungsraum Münchens) zurück geholt. Nebenstehendes Bild zeigt einen der seltenen Momente, in denen kein anderer Radler auf dem Weg zu sehen ist.

Impression vom Suttensee nahe der Valepp.

Die letzten Meter nach Kreuth zog das Wetter zu, und wir sahen zu, wieder zurück an den Parkplatz zu kommen. Genau in dem Moment, in dem wir an unser Auto zurückkamen, fing es an zu regnen - perfektes Timing.

Priener Hütte mit Geigelstein

Am nächsten Wochenende feierten wir mit einigen Freunden den Geburtstag meiner besseren Hälfte auf der Priener Hütte im Chiemgau. Nach einem schönen Hüttenabend hingen wir am nächsten Tag noch die Wanderung zum Geigenstein dran, bevor es zurück nach München ging.

Hoher Fricken und Bischof


Immer ungeduldiger warteten wir nun darauf, daß sich das Wetter in den Bergen stabil genug zeigt, um etwas größeres unternehmen zu können. Leider sah es auch am nächsten Wochenende noch nicht gut genug aus, und deshalb kam wieder einmal eine klassische Tour ganz in der Nähe dran: der Hohe Fricken. Da es am Gipfel des Fricken vom Regenrisiko her noch gut vertretbar erschien, hingen wir die Überschreitung des Bischof dran, ehe wir wieder nach Farchant abstiegen.

Und nach dieser Tour war es dann endlich soweit - die Bedingungen waren nun auch für eine größere Unternehmung passend - zumindest einigermaßen... Auf ins Stubai!

Wilder Freiger


Aus dem Stubaital heraus starten wir bei dampfigen Bedingungen den Aufstieg zur Sulzenau-Hütte. Der Weg führt uns zunächst steil durch üppiges frühlingshaftes Grün und dicht mit Farnen bewachsene Waldhänge - Erinnerungen an Neuseeland werden wach. Dann legt die Route zurück, und wir passieren die urige Sulzenau-Alm, von deren Talboden wir auch schon unser heutiges Ziel erkennen können: Die Sulzenau-Hütte thront am Rande des Talkessels der gleichnamigen Alm. Das Glück ist uns hold - wir bekommen ein Zweier-Zimmer zugeteilt und verbringen daher eine geruhsame Nacht.

Am nächsten Tag geht es bei besten Bedingungen Richtung Fernerstube los, wo wir die Steigeisen anlegen und anseilen. Der relativ flache Gletscher hat nur in einigen Randbereichen Spalten, die jedoch gut sichtbar sind und gefahrlos und weiträumig umgangen werden können. Lästig ist jedoch der stellenweise knietiefe Altschnee, der mir einiges an Kraft für das Spuren abverlangt.

An der Lübecker Scharte angekommen verlassen wir den Gletscher, ziehen die Steigeisen aus und folgen dem teilweise mit Stahlseilen versicherten Lübecker Steig bis zum Westgrat des Wilden Freigers. Diesen technisch etwas anspruchsvollerem Weg zum Gipfel lassen wir sprichwörtlich links liegen und steigen vom Grat Richtung Süden auf einen kleinen Gletscher ab - und haben damit Südtiroler Gebiet betreten!

Während wir den kleinen Gletscherfleck unterhalb des Hauptgipfels nach Osten queren, kommen Müllerhütte und Becherhaus in Sicht. Nach dem firnbedeckten Gletscher steigen wir den Südgrat des Signalgipfels des Freigers hinauf. Mittlerweile hat sich der Himmel schon stark bewölkt.

Vom Signalgipfel aus trennt uns nur noch ein flacher Firngrat vom Hauptgipfel der Wilden Freigers. Wir stapfen problemlos hinüber und stehen endlich am höchsten Punkt. Leider ist das Panorama aufgrund der Wolken schon recht eingeschränkt.

Nach zehn Minuten machen wir uns daher wieder an den Abstieg - zunächst wieder über den Firngrat zurück zum Signalgipfel. Danach laufen wir unschwierig Richtung Norden nach unten. Schon bald werden wir komplett von den Wolken verschluckt und befinden uns in einem diffusen Nebelraum mit einer Sichtweite von 15 Metern. Nach einiger Zeit bemerken wir, daß irgendetwas mit unserem Weg nicht stimmen kann - und tatsächlich sind wir viel zu weit nach Osten abgekommen. Eine Dreiviertelstunde queren wir durch sulzige Firnhänge und brüchiges Gelände wieder zurück zum richtigen Weg - das kostet richtig viel Energie. Immerhin reißen dann auch wieder die Wolken auf, und wir kommen ohne Orientierungs-Probleme weiter.

Der Weg hinunter zur Nürnberger Hütte zieht sich allerdings noch erstaunlich lange hin, und meine Akkus sind schon längst im Reserve-Bereich, als wir endlich die Hüttentür öffnen. Eine intensive, tolle, aber auch anstrengende Tour geht zu Ende!

Als besondere Belohnung schenkt uns das Schicksal auch auf der Nürnberger Hütte dann auch noch ein Doppelzimmer mit Betten. Besser geht es nicht!

Am nächsten Tag lassen wir es geruhsam angehen. Von der Nürnberger Hütte steigen wir zum Niederl auf, einem steilen Passübergang hinüber zur Sulzenau-Hütte. Oben angekommen präsentiert sich der Wilde Freiger noch einmal von der schönsten Seite - Hauptgipfel in der Bildmitte und Signalgipfel links davon im Wolkenschatten. Wir steigen über die Sulzenau-Hütte zur Sulzenau-Alm ab, wo wir ein zweites Frühstück machen. Danach geht es zum Parkplatz zurück, und einmal mehr aus dem Stubai wieder zurück nach München - wohl wissend, daß wir auch am nächsten Wochenende diese Route zurücklegen würden.

   Habicht


Nur etwa fünf Kilometer vom Gipfel des Wilden Freigers entfernt befindet sich unser nächstes Ziel: der Habicht. Eine Woche nach der Tour auf den Wilden Freiger steigen wir bei bewölktem Wetter von Gschnitz kommend zur Innsbrucker Hütte im Pinnisjoch auf, wo wir im Lager übernachten. Der Luxus eines Doppelzimmers ist uns hier leider nicht mehr gegönnt... Immerhin haben wir durch das durchwachsene Wetter den Vorteil, daß das Lager nicht komplett gefüllt ist.

Am nächsten Morgen geht es los, ohne den Gipfel des Habichts sehen zu können. Die Bewölkung des Vortages hat sich leider nicht aufgelöst, und wir wissen nicht, ob es überhaupt großen Sinn macht, die Tour anzugehen, oder ob wir nur Weiß auf Weiß sehen werden.

Der Anstieg ist aufgrund der Steilheit trotzdem recht ansprechend und stimmungsvoll...

...und mit einem Mal durchbrechen wir die Wolkendecke und stehen in der Sonne!

Die Stimmung verändert sich natürlich schlagartig - nun sehen wir endlich auch die Umgebung und den Gipfel.

Die letzten Meter dorthin sind noch einmal seilversichert. Das Kreuz lockt schon im Hintergrund.

Die Sicht vom Gipfel läßt nicht zu wünschen übrig. In der Mitte des Bildes erkennen wir den Wilden Freiger wieder, dem wir vor einer Woche einen Besuch abgestattet haben.

Wir hätten nicht darauf gewettet, ein Gipfelfoto ohne Wolken zu bekommen - freuen uns aber umso mehr darüber!

Nach einer Brotzeit auf dem Gipfel machen wir uns an den langen Abstieg zurück nach Gschnitz - was für eine Plackerei für die armen Knie...

   Biberkopf


Das nächste Gipfelziel liegt zur Abwechslung (gerade noch) in Deutschland - auch wenn der Zustieg selber meist von Lechleiten in Österreich unternommen wird. Lange Zeit als südlichster Punkt Deutschlands gehandelt, steht der Biberkopf als steiler Kalkzahn über dem Ende des Lechtals. Der Normalweg führt über die linke Schulter im Bild nach oben, bevor es am Gipfelaufbau auf der abgewandten Seite nach oben geht.

Als Kind war ich bereits das ein- oder andere Mal im Rahmen einer Bergmesse auf dem Gipfel gestanden und habe die Musikanten bewundert, die ihre Blasinstrumente den steilen Weg nach oben geschleppt haben. Dieses Mal finde ich nach dem schönen Anstieg an einem ebensolchen Sommermorgen keine Kapelle am Gipfel vor; immerhin erwarten mich aber um kurz vor neun Uhr bereits etwa 20 Personen am Gipfel. Man merkt deutlich, daß die Ferienzeit begonnen hat.

Vom Gipfel aus erkennt man nach Norden die schroffen Allgäuer Berge.

Ich beschließe, nach dem Gipfel nicht wieder direkt nach Lechleiten abzusteigen, sondern nach Norden zur Rappenseehütte weiter zu laufen. Dabei kann ich nach Westen die Aussicht auf den Widderstein und die Berge bei der Mindelheimer Hütte bewundern.

Nach der verdienten Brotzeit an der Rappenseehütte mache ich nebenstehendes Bild mit dem Rappensee und Rappenseeköpfle. Danach geht es durch eine üppig grüne Landschaft wieder zurück Richtung Lechtal, ständig begleitet durch mehr oder weniger lautes Kuhglocken-Geläute. Nur wenige andere Geräusche haben eine so grundlegend entspannende, ja beinahe meditative Wirkung, und ich überlege, ob man diesen Allgäu-Sound nicht zur Kur von gestressten Städtern einsetzen könnte - vielleicht die nächste große Geschäftsidee?

Völlig tiefenentspannt laufe ich wieder in Lechleiten ein. Allerdings wird mich die nächsten zwei Tage ein ordentlicher Muskelkater plagen - naja, das war mir die Tour auf alle Fälle wert!

   Nördlicher Ramolkogel (Anichspitze)


War der Biberkopf nahe der Deutsch-österreichischen Grenze, liegt unser nächstes Ziel nahe der Österreichisch-italienischen: Es soll der nördliche Ramolkogel werden, der auch als Anichspitze bekannt ist. Wir starten sehr früh aus München und erreichen den Talort Obergurgl morgens um halb sieben. Bei bewölkten Bedingungen wandern wir zum auf 3006 m hoch gelegenen Ramolhaus los, welches wie ein Adlerhorst auf einer Felsrippe errichtet wurde. Etwa gegen zehn erreichen wir die Hütte, und da es scheint, als würde die Sonne langsam die Wolkendecke durchdringen, beschließen wir, gleich zum Gipfel weiterzugehen. Leider geht der Plan in Bezug auf das Wetter nicht ganz auf; immer wieder hüllen uns dichte Wolken ein. Immerhin erkennt man auf nebenstehenden Bild im Hintergrund bereits unser Ziel, die Anichspitze.

Vor dem Übergang zum Nordgrat der Anichspitze verlassen wir den kleinen Gletscher, und können eindrucksvoll erkennen, wie mächtig dieser eher unscheinbare Gletscherfleck noch ist.

Nach einer weiteren halben Stunde Gekraxel über brüchig-schuttriges Gratgelände erreichen wir endlich den Gipfel - leider hält sich die Aussicht wegen der Wolken in Grenzen. Die verdiente Brotzeit schmeckt uns trotzdem!

Zwei Stunden später erreichen wir ziemlich erschöpft das Ramolhaus und sind froh, nicht in Lagern, sondern in Betten übernachten zu können.

Am nächsten Tag beschließen wir, vor dem Abstieg noch ins Ramoljoch zu steigen. Das Wetter ist deutlich besser geworden, und daher können wir auf dem Weg ins Joch (links der Bildmitte) noch einmal den gestrigen Gipfel (rechts über dem Gletscherfleck) betrachten.

Auch nach Süden ist die Aussicht deutlich besser als am Vortag, und wir bewundern die großen Gletscherströme aus dem Talende. Wie lange wird es die wohl noch geben?

Nach einem langen, aber schönen Abstieg erreichen wir mittags Obergurgl und machen uns wieder auf den Heimweg nach München.